| Am 6.3.1892 wurde Marga Müller als Marga Putz in
Thannhausen bei Augsburg geboren. Ihr Vater, ein Arzt, starb bereits
fünf Jahre nach ihrer Geburt. Die Mutter war eine ehemalige Hofdame
am kaiserlichen Hof in Wien. Die Wiederheirat der Mutter führte
Marga nach Krumbach, später nach Wiesentheid in Unterfranken.
Im nahegelegenen Würzburg lernte sie den Naturwissenschaftler
Dr. Hans Müller kennen. Seine frohe und heitere Art, aber auch
sein bestimmtes und ruhiges Wesen blieben nicht ohne Eindruck auf sie.
Sie heirateten und gründeten in Nürnberg, wo Dr. Müller
in den Schuldienst eintrat, ihren Hausstand. 1922 wurde der Sohn Hans-Reinhard
geboren, der später als Schauspieler, Sprecher bayerischer Mundartstücke
sowie als Intendant der Münchner Kammerspiele bekannt wurde. Die
Familie siedelte 1926 nach München um, denn Dr. Müller war
an das dortige Max-Gymnasium versetzt worden. In München begannen
die vielfältigen Aktivitäten Marga Müllers im Umgang
mit Kindern in Spiel, mündlicher Erzählung und kindgemäßer
Glaubensvermittlung.
Marga Müller konnte ihre Arbeiten ausweiten, als sie 1932 gemeinsam
mit ihren Eltern in Schwabing das Zweifamilienhaus Kunigundenstraße
58 und 58a bauen konnte.
"Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen" war unter der
Haustürschwelle mit dem Grundstein eingemauert worden und dieses
Versprechen wurde ein Leben lang eingehalten. Kinder kamen zu Kinder-
und Seelsorgestunden ins Haus, Mütterrunden wurden von Frau
Müller abgehalten und mit den Freunden des Sohnes Hans-Reinhard
bekam auch die Studentenseelsorge einen Platz im
Haus, - in der beginnenden Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft
von immer größerer Bedeutung.
Illustre Namen fanden sich unter den Hausgästen: Die Patres Rupert
Mayer, Alfred
Delp, Georg Waldmann, Franz zu Löwenstein, Professor Dr.
Alfred Läpple und mancher andere. Vielen Menschen wurde in schweren
Zeiten die Begegnung mit ihnen sowie ihren Vorträgen zu einer
wichtigen geistigen Bereicherung. Der Kampf des Regimes gegen die
Kirchen blieb nicht ohne Auswirkungen und traf viele Gläubige
im Volk. So kam es vor allem in den Kriegsjahren zu einem immer stärker
werdenden Abbau des Religionsunterrichts an den Schulen. Marga Müller
baute mit Unterstützung ihrer befreundeten Priester einen außerschulischen
Religionsunterricht auf, den der damalige Kardinal Faulhaber "katechetische
Hilfsseelsorge" nannte. Laien wurden in zweijährigen Kursen
zur Erlangung der missio canonica ausgebildet. Diese Arbeit weitete
sich von München nach Augsburg und Passau aus.
Den braunen Machthabern wurde Marga Müller nun immer mehr ein
Dorn im Auge. Das Haus in der Kunigundenstraße wurde von der
Gestapo beobachtet, die Besucher wurden registriert. Mancher musste
ein Schlupfloch vom Garten hinter dem Haus benutzen. Im Februar 1945
wurde Marga Müller von einer Vertrauten, die als Sekretärin
bei der Gestapo-Leitstelle arbeitete, gewarnt. Sie hatte den Haftbefehl
auf einem Schreibtisch liegen gesehen: "Die schwarze Hexe von
Schwabing wird morgen verhaftet". Marga Müller floh sofort.
Trotz Fliegeralarm kam sie bis Tutzing und bat bei den Missionsbenediktinerinnen
um Unterschlupf. Da die Nacht zuvor die Oberin vom Gut Kerschlach
verhaftet worden war, getraute man sich nicht, sie ins Kloster selbst
aufzunehmen. So bot man ihr zur Übernachtung die Kirche an.
Am nächsten Tag ging die Flucht auf Umwegen weiter in Richtung
Tegernsee. In Moosrain fand sie bei Freunden wieder Aufnahme. Wenn
es an der Haustür läutete, musste sie in den Kleiderschrank
verschwinden. Schließlich flüchtete sie bis Kreuth, wo
sich Freunde um sie kümmerten. Ihr Gesundheitszustand war so
ernst, dass man sie sofort im Krankenhaus Tegernsee unterbrachte,
wo sie wieder etwas zu Kräften kam. Nach einigen Wochen versuchte
sie nach Augsburg zu den Sternfrauen zu kommen, wo sie ihre Kurse
früher gehalten hatte. Das gelang ihr auch per Bahn, doch als
sie beim Kloster eintraf, bekam sie einen schweren Angina-Pectoris-Anfall.
Sie wurde zu den Sterbenden in den Keller gebettet, um bei Fliegeralarm
nicht transportiert werden zu müssen. Das war ihre Rettung.
Sie war nämlich zuvor am Bahnhof Augsburg erkannt worden und
die Gestapo kam ins Kloster, um sie zu verhaften. Als die Oberin
sagte, sie liege bei den Sterbenden im Keller, ließ man von
ihr ab. Zwei Wochen später war der Krieg und die Naziherrschaft
zu Ende.
In den Tagen nach Ende des Krieges reiften in ihr Pläne, die
später zum Aufbau des
Katholischen
Familienwerkes führten. Am Beginn jeder Bemühung
um Erziehung und Bildung stand für sie die Arbeit mit
Kindern. Hinzu kam, dass der Krieg viele allein stehende
Mütter hinterlassen hatte, die neben der Sorge um ihren
Lebensunterhalt die Erziehung ihrer Kinder zu bewältigen
hatten.
Ein Kindergarten sollte gegründet werden. Es begann in einer
Baracke auf der Gohrenwiese am Biederstein in Schwabing, die die
Amerikaner dort zur Betreuung deutscher Jugendlicher aufgestellt
hatten. Unter tatkräftiger Mitwirkung von Frau Weißmann
und vielen Freunden des Hauses Müller konnte dort ein Raum,
der Kohlen, Holz und Gerümpel enthielt, hergerichtet werden.
Im Januar 1950 erteilte die Stadt München die Genehmigung zum
Betrieb des Kindergartens. Nach einer Woche waren die 30 zugelassenen
Plätz belegt. Aus der Kinderküche des Krankenhauses Biederstein
kam das Mittagessen für die Ganztageskinder. Im Oktober 1950
wurde in einem weiteren Raum der Baracke eine zweite Gruppe eingerichtet.
Der Kindergarten und die Einrichtungen des Katholischen Familienwerks
florierten. So wurden Erweiterungen und Umzüge nötig, bis
zuletzt in Pullach die geeignete Bleibe für alle Einrichtungen
gefunden war.
Marga Müllers Aktivitäten gingen aber auch auf vielen anderen
Gebieten unvermindert weiter. So baute sie in Zusammenarbeit mit
der Erzdiözese München und Freising die Arbeit mit Jugendgruppen,
die sich im Hause Müller trafen, systematisch aus. Viele Danksagungen
erhielt sie dafür.
Die in München begonnene volksapostolische Arbeit weitete sie
in die Diözesen Regensburg und Salzburg aus. Viele Tagungen
dazu hat sie bestritten, unzählige Kurse abgehalten. Nicht vergessen
werden sollen auch die schriftstellerischen Tätigkeiten Marga
Müllers. Schon in den 30er Jahren veröffentlichte sie Erzählungen
zur religiösen Erziehung für Kinder in Zeitschriften, später
in Büchern. Ein Bücherzyklus für die Familie zu Feierzeiten
und religiösem Brauchtum im Kirchenjahr kam hinzu. Von ihren
naturkundlichen Werken sind das 1940 erschienene Buch "Die vom
Wegrain" sowie das Buch "Im Kornacker" von 1941 mit
den wunderbaren Illustrationen von Else Wenz-Viëtor, einer damals
in Icking lebenden Künstlerin, heute bibliophile Kostbarkeiten.
In ihren letzten zehn Lebensjahren sandte sie allen ihren Freunden
in der Welt monatliche Rundbriefe, die durch ihre tiefe Religiosität,
aber auch die lebendige und herzerfrischende Sprache vielen Empfängern
Freude bereiteten. 1980 ließen ihre Kräfte nach, die sie
lebenslang ganz in den Dienst ihrer Aufgaben gestellt hatte. Pflege
wurde notwendig. Nach einem Schenkelhalsbruch mit Operation hat sie
Gott am 7. Juli 1981 von ihren irdischen Leiden erlöst. Eine
riesige Trauergemeinde trug "eine der großen Frauen in
der Kirche Münchens" zu Grabe. Pater Franz zu Löwenstein
SJ sagte in seiner Predigt: "Mitte der ewigen Seligkeit ist
eine Liebe, und der Partner dieser Liebe ist Gott. Eine Ewigkeit
lang wird der Mensch, der am Ziel ist, sich in immer neue, tiefere
Herrlichkeiten Gottes hineinlieben. Nie wird er an eine Grenze stoßen
oder gar an ein Ende kommen". |